Die craniosacrale Osteopathie, auch kraniosakrale Osteopathie oder kraniosakrale Therapie genannt, hat sich aus der Osteopathie entwickelt und ist damit eine alternativmedizinische Behandlung. Dabei konzentriert sich diese Therapieform besonders auf den Schädel und das Kreuzbein und zielt darauf ab, Verspannungen und Blockade zu lösen. Hier erfährst du, wie Kraniosakrale Osteopathie dir bei deinen Beschwerden helfen kann und welche Wirkmechanismen hinter der sanften Therapie stecken.

Kurzfassung: Die wichtigstens Fakten auf einen Blick

  • Kraniosakrale Osteopathie ist eine sanfte Therapie, die bei Kindern, Erwachsen und Schwangeren gleichermaßen zur Anwendung kommen kann.
  • Im Mittelpunkt der kraniosakralen Therapie steht die Entspannung und Harmonisierung des Körpers, um die vorhandenen Selbstheilungskräfte zu stimulieren.
  • Durch sanfte Berührungen werden spezielle Rezeptoren in den Faszien angesprochen und das parasympathische Nervensystem aktiviert. Der Parasympathikus kann regenerative Kräfte entfalten.
  • Traditionell wird in der kraniosakralen Osteopathie von einem kraniosakralen Rhythmus gesprochen, welcher durch den Therapeuten erfühlt und harmonisiert wird. Wissenschaftlich ist sogar ein dritter Rhythmus neben dem Herzschlag und der Atmung messbar.
  • Nach modernen wissenschaftlichen Kriterien kann die kraniosakrale Osteopathie keinen Wirkungsnachweis erbringen. Die therapeutische Wirkung einer Berührung bleibt jedoch unbestritten.

Kraniosakrale Therapie gehört zusammen mit der parietalen und viszeralen Osteopathie zur Kategorie der Osteopathie. Als Begründer der heutigen Therapieform gelten die amerikanischen Osteopathen William Sutherland und John Upledger. Wie bei allen Bereichen der Osteopathie wird dabei versucht, die körpereigenen Heilungskräfte zu mobilisieren bzw. zu aktivieren. Gleichzeitig sollen Verspannungen im Gewebe gemindert und Blockaden gelöst werden.

Der Begriff Craniosacral oder Kraniosakral kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den zwei Wörter Cranium (Schädel) und Sacrum (Kreuzbein) zusammen. Diese zwei Körperteile sind durch die Wirbelsäule miteinander verbunden und bilden eine funktionelle Einheit. Sowohl der Schädel als auch die Wirbelsäule sind von innen mit dem Hirn bzw. den Rückenmarkshäuten ausgekleidet, in denen das Hirnwasser (Liquor) zirkuliert. Dabei dient das Hirnwasser nicht nur dem Schutz des zentralen Nervensystems (ZNS) in Form eines Stoßdämpfers, sondern auch dem Stoffwechsel. Es umfließt zudem das gesamte Nervensystem und ist dabei als rhythmische Pulsation messbar.

Wichtig dabei ist, dass Verletzungen und Krankheiten jeweils in einer Wechselwirkung mit dem craniosacralen System stehen und den Fluss des Gehirnwassers und somit auch die Harmonie negativ beeinflussen können. Genau hier setzt die Kraniosakrale Therapie an.

Sutherlands Selbstversuche

William Sutherland hat zahlreiche menschliche Schädel untersucht und schlussfolgerte, dass eine gewisse Beweglichkeit zwischen den einzelnen Schädelknochen vorhanden sein muss.

Daraufhin experimentiere er an sich selbst, in dem er einen Rugbyhelm umfunktionierte. Er fügte dem Helm mehrere Löcher hinzu, durch die er Druck auf bestimmte Stellen des Schädels aufbauen konnte.

Auf diese Weise stellte er fest, dass der Druck auf gewisse Bereiche des Schädels unterschiedliche v.a. neurologische Symptome auslösen konnte. Je nachdem welchen Bereich er unter Druck setzte, verursachte dieser Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und andere Symptome.

Diesem Versuch entnahm Sutherland, dass durch die Stimulation gewisser Bereiche am Schädel, eine Behandlung von zahlreichen Beschwerden möglich ist.

Kraniosakrale Osteopathie sorgt für Balance

Kraniosakrale Behandlung – sanft für Gleichgewicht sorgen

Davon ausgehend, dass die Harmonie in der Pulsation und damit auch im Fluss des Gehirnwassers einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit hat, setzen viele Osteopathen genau dort an. In einem ersten Schritt ertasten sie die Rhythmen der Patientinnen und Patienten und versuchen dann in einem zweiten Schritt wieder ein Gleichgewicht herzustellen, wo es nicht gegeben ist.

Dazu üben sie sanften Druck oder Zug am Schädel bzw. am Kreuzbein aus und lösen so Blockade im Gewebe und Verspannungen im Körper. Gleichzeitig können Osteopathinnen und Osteopathen auch die natürlichen Organbewegungen ertasten und nötigenfalls harmonisieren. Indirekt arbeiteten Osteopathinnen und Osteopathen mit dem zentralen Nervensystem, indem sie die Wirbelsäule und den Schädel als „Hebel“ bzw. „Zugang“ benutzen und so für Ausgleich bzw. Harmonie sorgen.

Kraniale Osteopathie hilft gegen Kopfschmerzen und Depressionen

Wann kraniosakrale Osteopathie helfen kann

Aufgrund des sanften Vorgehens und des harmonisierenden Ansatzes eignet sich kraniosakrale Osteopathie bereits für Neugeborene und sorgt auch bei Erwachsenen und älteren Menschen für wohltuende Linderung. Dabei kann Osteopathie sowohl präventiv als auch bei akuten und chronischen Beschwerden eingesetzt werden und durch das Lösen von Verspannungen und die Harmonisierung für Wohlbefinden und bessere Gesundheit.

So kann kraniosakrale Osteopathie bei Babys zur Verarbeitung der Geburt, zum Beispiel nach einer Zangen-, Saugglocken- oder Kaiserschnittgeburt, beitragen, zur Behandlung von Unruhe als auch von Becken- und Beinfehlstellungen oder Skoliosen eingesetzt werden.

Bei schwangeren Frauen wiederum kann kraniosakrale Therapie die Schwangerschaftsbeschwerden in jedem Trimester lindern und den Körper optimal auf die Geburt vorbereiten.

Im Weiteren kann die Therapieform bei kindlicher Hyperaktivität, Entwicklungsverzögerungen sowie Konzentrations- und Lernschwierigkeiten für Besserung sorgen und auch nach Unfällen und Operationen unterstützend wirken. Doch auch bei psychosomatischen und stressbedingten Beschwerden wie beispielsweise wiederkehrenden Kopfschmerzen oder Erschöpfung, Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden sowie Depressionen kann kraniosakrale Osteopathie Linderung verschaffen. Auch bei chronischen und akuten Schmerzen wie beispielsweise Tinnitus, Sinusitis, Nacken- und Spannungskopfschmerzen oder verschiedenen Traumata kann kraniosakrale Osteopathie helfen.

Zu guter Letzt können auch Schmerzen im Bewegungsapparat sowie Kieferprobleme gelindert und grundsätzlich die eigenen Selbstheilungskräfte präventiv mobilisiert werden.

Kraniosakrale Osteopathie Kraft der Berührung

Craniosacrale Osteopathie – wissenschaftliche Betrachtung

Obwohl viele Menschen der craniosacralen Osteopathie gute Behandlungserfolge bescheinigen, ist diese manuelle Technik wissenschaftlich noch am wenigsten bewiesen. Wie in einer systemischen Review verschiedener vorhandener Studien aufgezeigt, reicht die derzeit vorhandene Datengrundlage noch nicht aus, um die klinische Wirksamkeit der kraniosakralen Therapie zu belegen. Dazu braucht es weitere Studien und Forschung.

Nichtsdestotrotz berichten Patientinnen und Patienten regelmäßig und wiederholt von der positiven Auswirkung der Therapie, die vermutlich zu einem großen Teil auch von der Qualifikation und der Empathie des Therapeuten oder der Therapeutin abhängig ist. Auch wenn die Wirkung und Kraft einer Berührung bis heute nicht messbar ist, so ist sie gleichzeitig keinesfalls bestreitbar.

Berührung liegt in unserer Natur, es ist ein Instinkt

Die heilsame Kraft der Berührung hast du bereits schon erlebt! Angenommen du arbeitest in deiner Küche und stößt dir an einem geöffneten Schrank schmerzhaft den Kopf. Instinktiv fasst du an die schmerzende Stelle und die Schmerzen werden gelindert.

Der Kraniosakrale Rhythmus

Wie bereits angesprochen, erfühlen osteopathische Therapeuten den kraniosakralen Rhythmus ihrer Patienten und versuchen diesen in einen individuellen Einklang zu versetzen. Zwar gibt es Hinweise, dass es im menschlichen Körper weitere Rhythmen neben der Atmung und dem Herzschlag zu erfühlen gibt, allerdings sind diese wissenschaftlich keinem bestimmten Organ oder Gewebe zuweisbar. Außerdem ist es bisher nicht gelungen, das Erfühlen des kraniosakralen Rhythmus zu reproduzieren. Das heißt, jeder Therapeut fühlt unterschiedliche Rhythmen.

Interessanterweise konnte

Wirkung auf Faszien und das Nervensystem

Aus didaktischen Gründen wird unser vegetatives Nervensystem in zwei Teile gegliedert. So gibt es sympathische und parasympathische Nervenfasern und dazugehörige Botenstoffe, die von diesen Nervenfasern zur Kommunikation ausgeschüttet werden.

Während die Aktivität des Sympathikus vor allem bei Stresssituationen überwiegt, gilt der Parasympathikus als „Ruhepol“. Das parasympathische Nervensystem steht für Entspannung, Verdauung und Heilung.

In unseren Faszien, die bekannterweise den gesamten Körper mehrlagig bedecken, befinden sich mehrere Sinnesrezeptoren. Die bekanntesten dieser Rezeptoren sind für unser Schmerz- und Temperaturempfinden verantwortlich. Jedoch gibt es auch sogenannte Ruffiny Rezeptoren, die auf sanften Druck und Scherspannungen reagieren.

Neuere Forschung von unserem deutschen „Faszienpapst“ Robert Schleip zeigen, dass wir durch die Stimulation der Ruffiny Rezeptoren einen direkten Einfluss auf unser vegetatives Nervensystem entfalten können. Auf diese Weise lässt sich die Aktivität des parasympathischen Nervensystems hochfahren und damit die Selbstheilungs- Prozesse unterstützen.

Einschränkungen im Einsatz

Im Idealfall wird kraniosakrale Osteopathie als Komplementärmedizin bzw. als Begleitung zu der klassischen schulmedizinischen Behandlung angewandt. So kann sichergestellt werden, dass einerseits durch die Schulmedizin schwere Erkrankungen behandelt und andererseits die zusätzliche Linderung durch Osteopathie erreicht werden.

Da es sich bei der kraniosakralen Therapie um eine äußerst sanfte Behandlungsform handelt, bestehen kaum Risiken. Gegen eine Behandlung sprechen einzig große Verletzungen, die eine Notfallversorgung bedürfen sowie schwere Entzündungen oder offene Kopfverletzungen. Ebenso abgeraten wird bei Kopftumoren, starken Gefäßverkalkungen oder erhöhtem Schädelinnendruck sowie bei schweren psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Schizophrenie, einer Bipolaren-Störung oder Psychosen.

Kraniosakrale Osteopathie bei Säuglingen

Fazit – kraniosakralen Osteopathie als Komplementärmedizin

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es sich bei der kraniosakralen Osteopathie um eine äußerst sanfte Behandlungsmethode handelt, die in Kombination mit der klassischen Schulmedizin unterstützend und lindernd wirken kann.

Der Fokus der Behandlung liegt klar auf dem Ausgleich im Körper und zielt darauf ab, einerseits für die optimale Balance zu sorgen und die Selbstheilungskräfte dadurch zu mobilisieren und zu stärken. Ganz im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei können sowohl physische als auch psychosomatische Beschwerden behandelt und gelindert werden, wobei das Alter der Patientinnen und Patienten keine Rolle spielt. Von jung bis alt: Kraniosakrale Therapie kann allen helfen.