In beinah 90% der Fällen, kann keine Ursache für die Schmerzen ausfindig gemacht werden. Betroffene werden häufig mit Schmerzmitteln, Schuheinlagen oder Krankengymnastik abgespeist. Dabei kehren statistisch 40% der Patienten, die mindestens 6 Wochen krankgeschrieben waren, nicht mehr in den Arbeitsprozess zurück! Osteopathie bietet einen Zugang den Ursachen für Rückenschmerzen auf den Grund zu gehen und die Auslöser zu beheben. Als ganzheitliche Behandlungsform kann Osteopathie bei Rückenschmerzen bzw. Kreuzschmerzen die Ursachen an der Wurzel packen.

Kurzfassung: Die wichtigstens Fakten auf einen Blick

  • Osteopathie bei Rückenschmerzen bietet eine sichere Therapie, die nicht nur das Symptom, sondern den gesamten Menschen behandelt.
  • Rückenschmerzen werden häufig nicht ernst genommen, dadurch können diese wie eine Erkältung verschleppt werden und im Nachhinein großen Schaden anrichten.
  • Bis zu 90% der Rückenschmerzen sind nicht durch bildgebende Verfahren (Röntgen/MRT) feststellbar. Eine Analyse der körperlichen Funktionen und der Statik, kann in vielen Fällen aufschlussreich sein.
  • Im Laufe der Jahre stauen sich nicht selten zahlreiche körperliche Probleme wie z.B. muskuläre Dysbalancen an. Diese Probleme zu erkennen und zu beseitigen, ist essentiell für eine nachhaltige Rückenschmerztherapie.
  • Gerade im Bereich von Rückenschmerzen gibt es zahlreiche aussagekräftige Studien, die die Wirksamkeit der Osteopathie belegen.

Rückenschmerzen sind weit verbreitet und treten in unterschiedlichen Formen und Intensitätsstufen auf. Von Nacken- über Kreuzschmerzen, die jeweils zu Kopf- und Kieferschmerzen bis hin zu Taubheitsgefühlen in den Armen und Beinen führen können. Die Symptome können vielfältig sein. Entsprechend diffus ist oft auch unsere Reaktion darauf. Meistens werden die Schmerzen durch eine  medikamentöse Therapie abgehandelt und die Ursachen nicht genauer untersucht. Aus diesen Gründen kommt es nicht selten zu langanhaltenden Beschwerden, die sich über die Zeit verstärken und zu immer mehr Schmerzen führen können.

Dabei wird in der Schulmedizin grundsätzlich zwischen akuten und chronischen Schmerzen unterschieden:

  • Von akuten Schmerzen spricht man bei einer Dauer von unter drei Wochen. Sie haben oftmals eine gute Prognose, neigen jedoch in 10% bis 30% der Fälle zu Rezidiven, das bedeutet wiederkehrenden Rückenschmerzen, die in 5% bis 10% eine chronische Verlaufsform annehmen.
  • Die Definition von chronischen Schmerzen ist nicht immer einheitlich, wobei die Rede oft von anhaltenden und wiederkehrenden Schmerzen über 12 Wochen ist. Die Gefahr bei chronischen Beschwerden ist, dass sie selbst nach Beseitigung der Schmerzursache aufgrund des sogenannten Schmerzgedächtnisses fortbestehen können.

Um eben dieses Fortbestehen bzw. das Festsetzen von Beschwerden zu vermeiden, ist es wichtig, bereits bei akuten Rückenschmerzen zu reagieren und ihrer Ursache genauer nachzugehen. Denn nur wenn der Grund für die Schmerzen bekannt ist, können die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet und eine nachhaltige Heilung herbeigeführt werden.

Rückenschmerzen häufig vernachlässigt

Rückenschmerzen haben vielfältige Ursachen

Wenn du Druck oder Schmerz im Bereich des Herzens verspürst, würdest du dich direkt an einen Arzt wenden und dich niemals mit Schmerzmedikamenten und ohne genaue Diagnose mit den Worten „wir warten erstmal ab“ begnügen.

Rückenschmerzen sind kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, welchem immer eine Ursache zugrunde liegt. Damit weisen sie auf ein Defizit in irgendeinem Bereich des Körpers hin, sei es eine Entzündung, eine Schwäche, Verspannung oder Verhärtung der Muskulatur oder Bewegungseinschränkungen des Skeletts. Die Schwierigkeit liegt darin, dass es meistens nicht nur eine Ursache gibt, sondern mehrere „Problemzonen“ bestehen. Daher ist eine ausgiebige Diagnostik notwendig, um so auch die geeignete Behandlungsform zu finden.

Hinzu kommt, dass sich 80 – 90% der Rückenschmerzen nicht durch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT feststellen lassen. Dadurch sind sie oft vor allem eine subjektive Erfahrung für die Betroffenen, weshalb hierbei von unspezifischen Rückenschmerzen gesprochen wird.

Muskuläre Ursachen

Schon alleine muskulär bedingte Rückenbeschwerden können vielfältige Gründe haben. So können beispielsweise sogenannte Traumata wie Gewalteinwirkung, Überdehnung oder Überlastung zu Schmerzen führen. Ebenso können chronische Ereignisse wie zum Beispiel die gewohnheitsbedingte Fehlbelastung, wiederholte stereotype Belastung durch Bewegungen im Training oder Beruf, lang andauernde Kontraktion (z.B. sitzende Tätigkeit) und stressinduzierte Überbelastung mit sogenannter Tonuserhöhung mancher Muskelanteile zu Rückenschmerzen führen.

Weitere körperliche Gründe

Neben muskulären Gründen können jedoch auch Gelenke, Organe, Krankheiten oder suboptimale Ernährung bzw. Mineralstoffmangel zu Rückenschmerzen führen. All diese Ursachen bleiben diagnostisch häufig unberücksichtigt, besonders wenn die Patientin oder der Patient den Ursprungsort nicht genau erfühlen kann.

Zum Beispiel können Diabetes, Gicht oder zu viel Bauchfett Risikofaktoren für „stille Entzündungen“, sprich nicht zwangsweise messbare entzündliche Ereignisse darstellen. Im Weiteren können solche Erkrankungen sowie die daraus resultierende Medikation, Defizite an Vitaminen und Mineralstoffen herbeiführen. Dies kann die körpereigenen Mechanismen zur Bekämpfung von Krankheiten und Entzündungen mindern.

Auch das Darm Mikrobiom und rheumatische Erkrankungen können entscheidenden Einfluss auf schmerzende Gelenke und Muskeln haben. Diese spielen besonders bei chronischen Rückenschmerzen eine gesonderte Rolle.

Psychische Ursachen

Ebenso wie physische bzw. körperliche können auch physische Gründe zu Schmerzen führen. So gilt eine Depression als einer der Auslöser für chronische Schmerzen, ebenso wie chronische Schmerzen häufig mit Depressionen assoziiert sind. Gleichzeitig erhöhen chronische Schmerzen die Wahrscheinlichkeit für eine Depression um das Doppelte. Dabei benötigen Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen oft eine sogenannte multimodale Therapie zum Beispiel in Form einer Schmerztherapie, Osteopathie und psychologischer Betreuung.

Schmerzmittel verschleiern Schmerzen

Schmerzmittel können Kreuzschmerzen verstärken

Die häufigste Reaktion unseres Gesundheitssystems auf Rückenschmerzen sind Schmerzmittel. Wer kennt es nicht. Der Besuch beim Orthopäden beschert einem 14 Tage Ibuprofen und Schuheinlagen.

Versteh mich bitte nicht falsch. Tendenziell spricht nichts dagegen, für kurze Zeit Schmerzmittel einzunehmen. Das Problem ist jedoch, dass der Alarmschmerz, der zum „Handeln!“ auffordert, häufig nicht ernst genommen wird und die Kreuzschmerzen, wie eine Erkältung verschleppt werden.

Durch die Schmerzunterdrückung werden die schmerzenden Bereiche ggf. weiter geschunden. Anstatt in eine Schonhaltung auszuweichen, belastest du im schlimmsten Fall Muskeln, Gelenke, Nerven und Schleimbeutel weiter. Daraus resultieren verständlicherweise weitere Beschwerden, die eine schnelle Ausheilung verhindern.

Nein, ich empfehle nicht zwangsläufig bei kleinsten Beschwerden zum Arzt oder zum Osteopathen zu rennen. Manche Beschwerden kriegt unser Körper in wenigen Tagen bis Wochen selbst unter Kontrolle.

Sollten die Rückenschmerzen jedoch anhalten, erneut auftreten oder sehr stark sein, empfehle ich neben dem Orthopäden auch der Osteopathie einen Besuch abzustatten.

LWS Syndrom und unspezifischer Rückenschmerz

Franke et al. (2014) stellen in ihrer Metaanalyse fest, dass bei akuten und chronischen unspezifischen Rückenschmerzen, sechs von insgesamt zehn Osteopathie-Studien mit 1’141 Teilnehmenden einen signifikanten Behandlungseffekt zeigen. Drei von diesen zehn Studien können ebenfalls eine Schmerzlinderung feststellen, die jedoch nicht signifikant ausfällt.

Die Definition von unspezifischen Rückenschmerzen besagt, dass mit klinischen Mitteln keine Ursache für sie gefunden werden kann bzw. bisher nicht gefunden wurde. Das heißt, dass keine umschriebene Krankheit festgestellt und sich somit die Schmerzursache auch nicht sicher einer anatomischen Quelle zugewiesen werden kann. Leider wird der Prozentsatz von unspezifischen Rückenschmerzen auf mindestens 80% geschätzt.

Trotzdem ist jedoch eines klar: Es gibt keine unspezifischen Rückenschmerzen. Kreuz- oder Nackenschmerzen weisen immer auf eine gewisse Erkrankung von Gewebe oder Regulationsstörung hin.

Die Diagnose unspezifischer Rückenschmerz verbirgt sich hinter weiter verbreiteteren Ausdrücken wie LWS- oder HWS- Syndrom. Allgemein wird mit dem Begriff Syndrom auf einen Krankheitskomplex Bezug genommen, der nicht sicher eingegrenzt werden kann. Deshalb macht in der Regel eine rein lokale Behandlung der Schmerzgegend wenig Sinn oder hat nur kurzzeitigen Effekt!

Jahrelange Kompensationen verursachen Rückenschmerzen

Osteopathie und Rückenschmerzen – Kompensation als Schmerzursache

Unser Körper befindet sich im stetigen Wandel. Innerhalb von rund 90 Tagen erneuern sich die meisten Zellen unseres Körpers einmal komplett und passen sich somit den Herausforderungen des Alltags an.

Wenn wir uns physisch oder psychisch „verletzen“, ist der Körper in der Lage diese körperliche Veränderung zu kompensieren. Kompensieren bedeutet in diesem Zusammenhang, das geschwächte bzw. verletzte Körperpartien geschont werden, während andere zunehmend unter Belastung gestellt werden.

Wenn du also mit dem linken Fuß umknickst und das Auftreten für einige Tage schmerzhaft ist, wird die größte Last vom rechten Fuß, dem rechten Knie, der rechten Hüfte und so weiter getragen.

Im Laufe der Zeit muss unser Körper eine Vielzahl an Traumata, Operationen, muskulären Schwächen und Verspannungen kompensieren. Einige dieser Kompensationen werden chronisch. Demnach existieren sie eine sehr lange Zeit und Ko-existieren zudem mit anderen auftretenden Kompensationen.

An einem gewissen Punkt, der für jeden Menschen individuell ausfällt, ist die Kompensation nicht mehr möglich, weshalb es zu Alarmschmerzen kommt. Der Körper fordert dich damit auf, die schmerzenden Bereiche zu entlasten.

Zu viele Kompensationen führen zu Kreuzschmerzen

Nun sollte es nachvollziehbar sein, weshalb die Diagnose von Rückenschmerzen so kompliziert ist. Häufig reicht es nicht aus, die schmerzenden Stellen zu massieren oder zu dehnen, geschweige denn direkt mit dem Muskelaufbau zu beginnen. Vielmehr muss man den Körper in seiner Gesamtheit betrachten und alte Kompensationen aufarbeiten. Denn es ist möglich, dass ältere Kompensationen zu neuen Kompensationen und ggf. zu Schmerzen führen.

Dieser Logik folgend setzt Osteopathie bei Kreuzschmerzen oftmals nicht direkt im schmerzenden Bereich an. Ein guter Therapeut wird sich ein Gesamtbild der Statik, der Funktion der großen Gelenke und der Wirbelsäule sowie der muskulären Aktivität verschaffen.

4 Grundpfeiler der Osteopathie

Wirkprinzipien der Osteopathie

Wer die Gesundheit stärkt, braucht sich um die Krankheit nur noch bedingt zu kümmern!

Osteopathie kann bei Rückenschmerzen langfristig für Linderung sorgen und birgt dabei überschaubare Risiken wie Müdigkeit, Muskelkater oder Blutergüsse. Dabei setzen Osteopathinnen und Osteopathen auf die vier Prinzipien der Osteopathie:

  • Sowohl der Körper als auch der Geist und die Seele eines Menschen bilden eine Einheit und stehen in einer Wechselbeziehung zueinander.
  • Durch diese Wechselwirkung besteht auch eine Verbindung zwischen Funktion und Struktur, wodurch beispielsweise Fehlhaltungen zu anatomischen Veränderungen und Narben die Funktion des Gewebes verändern oder einschränken können.
  • Der Körper ist grundsätzlich in der Lage sich selbst zu heilen, vorausgesetzt die Einheit des Körpers funktioniert. Wird die Harmonie gestört, kommt es zu Ungleichgewichten, die wiederum zu Krankheiten und Beschwerden führen.
  • Eine gesunde Durchblutung ist ausschlaggebend für die Körperfunktion. Dies bedeutet, dass eine gestörte Durchblutung und Blockaden schädigend auf den Körper wirken können.

Diesen Prinzipien folgend konzentrieren sich Osteopathen und Osteopathinnen darauf, die Harmonie im Körper wiederherzustellen oder zu verstärken, wobei sie dabei stets den gesamten Organismus im Blick haben. Durch die sanfte und kräftige Berührung und Manipulation versuchen sie Einschränkungen in der Bewegung oder Blockaden ausfindig zu machen und diese zu beheben. Dabei wird nicht direkt für eine Heilung gesorgt, sondern vielmehr die Selbstheilungskraft des Körpers angeregt und gestärkt. Ohne medizinische Instrumente oder weitere technische Hilfen zu benutzen, bietet Osteopathie so Hilfe zur Selbsthilfe.

Wie Osteopathie bei Rückenschmerzen helfen kann

Studien zeigen, dass Osteopathie bei Rückenschmerzen in der Schwangerschaft als auch bei Rückenschmerzen nach der Geburt wirksam ist, wobei als Nebenwirkung teilweise Muskelkater oder auch Müdigkeit festgestellt wurden (Metaanalyse: Franke et al. 2014).

Metaanalysen nehmen in der Wertigkeit wissenschaftlicher Arbeiten den höchsten Stellenwert ein!

Die Osteopathie ist grundsätzlich eine Therapie, die mit den Händen durchgeführt wird und eine Ganzkörperuntersuchung anstrebt. Erfahrene Therapeuten werden die gesamte Statik bzw. Körperhaltung des Patienten beurteilen, ebenso wie die Beweglichkeit und Funktion zahlreicher großer Gelenke. Eine Krümmung im Rücken oder ein Beckenschiefstand werden immer eine Kaskade von Verbiegungen und Rotationen in der Wirbelsäule auslösen, die sich bis zum Kopf auswirken.

 

Ebenso wie bei anderen Schmerzen setzt Osteopathie bei Rückenschmerzen ebenfalls dabei an, Bewegungseinschränkungen oder Blockaden zu lösen. Dabei wird nach einem eingehenden Gespräch nach Spannungen und Einschränkungen gesucht, die dann mit ruhigen, sanften oder auch kräftigen Handbewegungen durch die Therapeutin oder den Therapeuten gelöst werden. Dazu werden die betroffenen Körperstellen bzw. Körperstrukturen bewegt und gedehnt. Dadurch können Muskeln gelockert, Gelenke entstaucht und die Durchblutung sowie der Stoffwechsel in betroffenen Geweben verbessert werden. Die wiederhergestellte Balance und Harmonie ermöglicht es dem Körper des Patienten oder der Patientin seine Selbstheilungskräfte wieder voll zu aktivieren und wirken zu lassen.

Wichtig dabei ist, dass der Osteopath oder die Osteopathin sich bei der Behandlung auf die Quelle der Beschwerden konzentriert und so nicht einfach nur Symptombekämpfung betreibt, sondern das Problem an seiner Wurzel löst. Dabei wird individuell auf jede Patientin oder jeden Patienten sowie auf die spezifischen Bedürfnisse eingegangen.

Osteopathie folgt keinem festgelegten Ablauf oder Behandlungsplan, sondern stellt den jeweiligen Patienten oder die jeweilige Patientin in den Vordergrund.