Immer mehr Menschen leiden an Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Sodbrennen, Völlegefühl, Verstopfungen oder Bauchschmerzen. Die Ursache dafür ist oft eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms, welche als SIBO abgekürzt wird. Da es auf diesem Gebiet an Spezialisten mangelt, sind die meisten Betroffenen auf sich allein gestellt. Um was es sich bei SIBO genau handelt und welche Behandlungsmethoden es gibt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Kurzfassung: Die wichtigstens Fakten auf einen Blick

  • Die Diagnose Sibo steht für small intestinal bacterial overgrowth. Sie ist eine häufige Erkrankung, die hinter sich hinter Symptomen wie Verstopfungen, Durchfall, Völlegefühl, Sodbrennen und Bauchschmerzen, verbirgt.
  • Es gibt mehrere Sibo Testverfahren, die eine Erkrankungen diagnostizieren können. Als praktisch erweisen sich sogenannte Atemgastests, die sich sogar Zuhause durchführen lassen.
  • Vor dem Sibo Test solltest du dringend eine Introdiät machen. Auf diese Weise lässt sich die Zuverlässigkeit des Tests verbessern.
  • Die Sibo Behandlung sollte am besten in Absprache mit einem spezialisierten Therapeuten erfolgen. Eine angepasste Sibo Ernährung sollte ist defintiv empfohlen!

Haben Sie schon von SIBO gehört? Es ist die englische Abkürzung für Small intestinal bacterial overgrowth und steht für nichts anderes als die bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms. Von dieser spricht man, wenn sich zu viele Bakterien im Dünndarm befinden und damit verschiedene Verdauungsstörungen hervorrufen.

Was ist Sibo?

Warum es zu einer Fehlbesiedlung (SIBO) kommen kann

Unsere Darmflora besteht aus unterschiedlichen Bakterien und Bakterienfamilien, von denen es über 1’000 gibt. Was im ersten Moment erschreckend klingen mag, ist jedoch lebenswichtig für uns als Menschen. Denn die im Darm ansässigen Bakterien helfen dabei, die zu uns genommene Nahrung zu verwerten und die lebensnotwendigen Nährstoffe zu verarbeiten. Ohne sie hätten wir keine Chance an Nährstoffe und die damit verbundenen Vitamine zu gelangen und würden schlicht nicht überlegen.

Wichtig dabei ist, zwischen Dünndarm und Dickdarm zu unterscheiden. Denn die zur Nahrungsverarbeitung notwendigen Bakterien befinden sich hauptsächlich im Dickdarm. Im Dünndarm wiederum befinden sich nämlich verhältnismäßig wenig solcher Bakterien und Keime. Während im Dickdarm insbesondere die unverdaulichen Nahrungsanteile verwertet werden, filtert im Anschluss der Körper im Dünndarm die Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate aus dem Essensbrei heraus und gibt die entsprechenden Nährstoffe weiter.

Die Trennung des Dick- und Dünndarms übernimmt dabei die sogenannte Schleimhautklappe, die insbesondere dafür sorgt, dass Bakterien aus dem Dickdarm nicht in den Dünndarm übersiedeln. Denn diese würden sich wiederum über die im Essensbrei enthaltenen Nährstoffe hermachen und diese so dem Körper regelrecht wegfuttern. Ist nur die Funktion dieser Klappe beeinträchtigt, kann es zur sogenannten Fehlbesiedlung im Dünndarm kommen, wobei die Ursachen mitunter schwerwiegend sein können.

Stau im Darm führt zu SIBO

Ein möglicher Grund für die Entstehung einer Sibo ist zum Beispiel eine gestörte Magen- und Darm- Peristaltik (Bewegung). Dadurch kann es zu Stau bzw. einem langsameren Nahrungstransport durch den Darm kommen. Auf diese Weise verbleibt der Nahrungsbrei länger in bestimmten Darmpassagen und es kommt zu Gärungs- und Fäulnisprozessen. Im schlimmsten Fall entstehen auch Veränderungen bzw. Anomalien des Darms und seiner Schleimhäute sowie einer Ausbreitung von krankheitserregenden Keimen.

Nun gibt es natürlich auch mehrere Gründe, warum es zu solch einer nicht optimalen Darmbewegung kommt. Dahinter können sich zum Beispiel Medikamenteneinnahmen wie Protonenpumpenhemmer in Form von Omeprazol oder Pantoprazol verstecken. Diese verhindern die Säureausschüttung im Magen, welches wiederum zu einer schlechteren Vorverdauung der Nahrung und ggf. auch zu einem Mineral- und Vitaminmangel führt.

Darüber hinaus können sich Reizdarm- Syndrom, der Einsatz von Opiaten, Diabetes und neurologische Erkrankungen negativ auf die Darm- Peristaltik auswirken.

Anmerkung: Auch die Osteopathie befasst sich mit Verdauungsbeschwerden und versucht durch gezielte Mobilisationen von Wirbelsäule und dem Magen-Darm-Trakt eine verbesserte Verdauung zu bewirken. Mit osteopathischen Techniken kann man die bereits erwähnte Schleimhaut- bzw. Ileocaecal- Klappe behandeln. Weiterhin leiden Sibo Betroffene häufig unter starken psychischen Belastungen, weshalb Osteopathie auf körperlicher und geistiger Eben einen Anteil zur Genesung leisten kann.

Sibo Diagnose

Mögliche Symptome einer Dünndarmfehlbesiedlung

Von Bauchschmerzen, über Durchfall oder Verstopfung bis hin zu einem Blähbauch und Blähungen: Oft liegt die Ursache wie aufgezeigt in unserem Dünndarm bzw. der sogenannten Darmflora.

Dabei können die Symptome vielfältig sein und oft dauert es eine Weile, bis man der Fehlbesiedlung auf die Spur kommt. Trotzdem ist eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms – auch als DDFB bekannt – ernst zu nehmen. Mögliche Symptome können dabei sein:

  • Abgeschlagenheit
  • Eisenmangel
  • Gewichtsverlust
  • Mangel an Vitaminen (A, D, E, K, B12)
  • Müdigkeit
  • Schwindel

Dabei liegt beispielsweise die Ursache für Bauchschmerzen oder auch einen Blähbauch bei einer Fehlbesiedlung darin, dass die sich fälschlicherweise im Dünndarm befindlichen Dickdarm-Bakterien durch die Aufnahme der Nährstoffen Gase produzieren. Dies kann sich auch in form von Durchfall oder Übelkeit zeigen. Durch den Stoffwechsel werden zudem auch Säuren produziert, die wiederum die Darmwand angreifen und dadurch die Nährstoffaufnahme verhindern.

Weitere Folgen einer Dünndarmfehlbesiedlung sind auch eine Störung der Fettverdauung, die zu sogenanntem Fettstuhl führt. Zu erkennen ist dieser durch seine lehmartige Farbe, den Glanz und den scharfen Geruch. Ebenfalls kann aufgrund des Vitamin B12-Mangels Blutarmut auftreten, denn die fehlbesiedelten Bakterien nutzen das Vitamin B12 selbst und entziehen es somit dem Körper.

Sibo Test von Dr. Gut

Diagnose – SIBO auf die Schliche kommen – mit einem SIBO Test

Wenn Sie vermuten, dass Sie unter einer Dünndarmfehlbesiedlung bzw. SIBO leiden, können Sie dies durch einen SIBO Test genauer bestimmen. Dabei handelt es sich um einen Wasserstoff-Atemtest mit Glukose, wobei die Konzentration von Wasserstoff und Methan in der Atemluft gemessen wird. Als Atemtest ist dies eine bequeme und wissenschaftlich verlässliche Möglichkeit, um eine Fehlbesiedlung festzustellen.

Neben dem Wasserstoff-Atemtest kann zudem durch bildgebende Methoden wie beispielsweise einem MRT (Magnetresonanztomografie) untersucht werden, ob die Fehlbesiedlung auf funktionelle Ursachen zurückzuführen ist oder ob zum Beispiel ein hormonelles Ungleichgewicht oder der Mangel an Eisen oder anderen Vitaminen als Ursache in Betracht kommen. Dies wird mittels Blutbildes untersucht. Ebenfalls relevant ist grundsätzlich auch die jeweilige Krankengeschichte, denn bei vorangegangenen Darm- oder Magenoperationen wird beispielsweise meist direkt eine Dünndarmfehlbesiedlung in Betracht gezogen.

Hier geht es zum DR. GUT SIBO Test für Zuhause.
Du bekommst nicht nur eine ausführliche Auswertung und Diagnose, sondern ggf. Handlungsanweisungen zum weiteren Vorgehen.

Wann Sie einen Atemtest in Betracht ziehen sollten

Ein SIBO-Test bzw. ein entsprechender Atemtest empfiehlt sich für Personen, die:

  • Wiederkehrende oder anhaltende Verdauungsprobleme aufweisen, deren Ursache unklar ist;
  • eine Reizdarmsyndrom-Diagnose haben;
  • eine Leaky Gut Diagnose haben;
  • eine Unverträglichkeit für bestimmte Lebensmittel aufweisen.

Vorbereitung auf den SIBO-Test

Als Vorbereitung auf den Wasserstoff-Atemtest wird meist eine sogenannte Vortagsdiät bzw. eine Intro-Diät durchgeführt. Dabei gilt es am Vortag des Tests insbesondere auf die Einnahme von blähenden oder schwer auf dem Magen liegenden Nahrungsmitteln zu verzichten.

Grundsätzlich können Sie Fisch, Fleisch, Geflügel, klare Hühner- oder Rindfleischbrühe (jedoch nicht Bouillon oder Knochenbrühe), Öl, Salz, Pfeffer, Eier, wenig Hartkäse und weißen Reis (insofern keine Unverträglichkeit bekannt ist) zu sich nehmen, wobei Sie am Testtag selbst nüchtern antreten sollten. Bestimmte Lebensmittel und je nachdem auch Medikamente gilt es bereits mehrere Tage vor dem SIBO-Test zu vermeiden, wobei der durchführende Arzt diesbezüglich jeden Fall individuell berät.

Sibo Ernährung

SIBO Diagnose – Behandlung und Ernährung

Je nachdem was der SIBO Atemtest enthüllt, können Patientinnen und Patienten eine entsprechende Behandlung beginnen. Dabei kommt es darauf an, ob der Wasserstoff-Atemtest Wasserstoff-produzierende oder Methan-produzierende Bakterien nachgewiesen hat, wobei auch beide Arten vorhanden sein können. Entsprechend werden im Anschluss antibakterielle Wirkstoffe dazu eingesetzt, einerseits die schädlichen Bakterien aus dem Dünndarm zu entfernen und dadurch andererseits wieder für das Gleichgewicht der Darmflora zu sorgen.

Aktuell wird von Spezialistinnen und Spezialisten eine Kombination aus Behandlungen empfohlen: Die Einnahme eines Antibiotikums als auch die Durchführung einer entsprechenden Diät. Dadurch stehen nicht nur die Erfolgschancen hoch, sondern es wird auch am ehesten vermieden, dass erneut SIBO-Symptome auftreten. Denn hierin besteht eine der Herausforderungen von SIBO: Betroffene zeigen hohe Rückfallraten, insbesondere solange der Ursprung für die SIBO-Erkrankung nicht wirklich behoben ist.

Zu den gängigsten, einzelnen Behandlungsschritten gehören:

Einnahme von Antibiotika

Hierbei kann es sich sowohl um chemisch-synthetische als auch um pflanzliche Antibiotika handeln. Diesem Ansatz liegt die Überlegung zugrunde, dass die zu viel vorhandenen, schlechten Bakterien im Darm mit Antibiotika behandelt und dadurch vernichtet werden. Die alleinige Einnahme von Antibiotika hilft jedoch nur kurzfristig, da dadurch nur die vorhandenen Bakterien abgetötet jedoch nichts am Eintreten dieser in den Dünndarm geändert wird. Daher sollten unbedingt zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, um langfristig eine Besserung zu erzielen.

Intro-Diät

Mittels einer sogenannten Intro-Diät, die auch bereits im Vorfeld eines Atemtests gemacht werden kann, kann der Körper entgiftet und die Balance in der Darmflora wiederhergestellt werden. Dadurch verringern sich auch die Entzündungsvorgänge im Darm, während gleichzeitig die schädlichen Bakterien als auch den Pilzen und Hefen im Dünndarm so quasi ausgehungert werden. Ihnen wird durch die Intro-Diät die Nahrung entzogen, jedoch dem Körper gleichzeitig Vitamine und Mineralien zugeführt.

Die Dauer betreffend reichen bereits zwei Tage aus, um den Darm zu reinigen. Patientinnen und Patienten, die danach immer Symptome wie Blähungen, Verstopfungen oder Durchfall aufweisen, können die Intro-Diät auch um drei bis fünf Tage verlängern. Insgesamt sollte diese Diät jedoch nicht länger als fünf Tage dauern.

Grundsätzlich gilt es während der Intro-Diät alle Nahrungsmittel gut durch zu kochen oder zu garen und keine rohen Lebensmittel zu sich zu nehmen, wobei auch während den ersten Wochen nach der Diät insbesondere Obst und Gemüse weiterhin nicht roh gegessen werden sollte. Zu den Lebensmitteln, die während einer Intro-Diät verzehrt werden können, zählen:

  • Eier
  • Fisch
  • Karotten- oder Zucchini-Püree
  • Selbstgemachte Frikadellen
  • Selbstgemachte Hühner- oder Rinderbrühe
  • Wackelpudding aus Trauben- oder Apfelsaft

Der Verzehr von Milchprodukten wird unterschiedlich diskutiert. Besonders weil immer mehr Menschen eine Laktose-Intoleranz aufweisen, wird oft davon abgeraten.

Formeldiät

Ander als die Intro-Diät dauert die Formeldiät zwei bis drei Wochen. Auch hier ist das Ziel den Dünndarm bzw. die sich darin befindlichen schlechten Bakterien auszuhungern. Dadurch, dass die Nahrung während dieser Zeit nur in trinkbarer Form eingenommen wird, sprich keine feste Nahrung verzehrt wird, können die enthaltenen leicht verdaulichen Fette, Kohlenhydrate, Mineralien, Vitamine und Aminosäuren, auf die beim Inhalt geachtet wird, bereits im obersten Dünndarmabschnitt aufgenommen werden. Dadurch erhält der Körper die notwendigen Nährstoffe, während gleichzeitig die schlechten Bakterien verhungern.

SIBO-Diät

Eine begleitende Maßnahme stellt auch eine sogenannte SIBO-Diät dar, wobei diese alleine nicht als Heilmethode dient. Wichtig ist zudem, diese in Absprache mit einem Spezialisten oder einer Spezialistin durchzuführen und nicht länger als zwei bis drei Wochen zu machen. Sie eignet sich gut als Rückfallprophylaxe sowie zur Sanierung des Darmes und entsprechend zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit.

Der Fokus wird dabei ebenfalls daraufgelegt, die schlechten Bakterien im Darm auszuhungern, wobei auf kohlenhydratarme Nahrungsmittel gesetzt wird. Die drei bekanntesten Ansätze der SIBO-Diät sind:

  • Cedars-Sinai Low Fermentation Diet (C-SD)
  • Fast Tract Diet: IBS (FTD)
  • SIBO Bi-Phasic Diet (B-PD), eine Abwandlung der SSFG
  • SIBO Specific Food Guide (SSFG)

Fazit

SIBO bzw. die bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarmes hat für Betroffene viele unangenehme Folgen. Dabei ist es für Laien oft schwierig zu beurteilen, ob Beschwerden wie Durchfall, Blähungen oder Verstopfungen einzelne Phänomene darstellen oder als SIBO-Symptom auftreten.

Klärung schafft hier ein SIBO Wasserstoff-Atemtest, der verhältnismäßig leicht bei spezialisierten Therapeuten oder von Zuhause durchgeführt werden kann und klar zeigt, ob eine SIBO-Erkrankung vorliegt oder nicht. Eine Fachperson empfiehlt sich sodann in punkto Behandlung, nicht nur jedoch insbesondere bei einem positiven SIBO-Atemtest. Denn neben der möglichen Einnahme von Antibiotika, gilt es einerseits dem Ursprung der Erkrankung auf den Grund zu gehen und andererseits auch begleitende und präventive Maßnahmen für die Zukunft und eine niedrigere Rückfallquote in Form einer entsprechenden Ernährungsumstellung und/oder Diät durchzuführen.

Um die Ursache einer Sibo einzugrenzen eignen sich gegebenenfalls weitere Testungen, wie zum Beispiel eine Analyse der Darmbakterien, Lebensmittelunverträglichkeiten in Form von Fructose, Lactose, Histamin, Apfel, Brokkoli ect. sowie bestimmte Entzündungsparameter (Zonulin, ALPHA-1).

Falls du an langanhaltenden Nahrungsunverträglichkeiten und Verdauungsbeschwerden leidest, empfehle ich dringend einen Spezialisten auf dem Gebiet SIBO bzw. Leaky Gut aufzusuchen. Nur wenige Mediziner und Heilpraktiker kennen sich mit diesem Thema gut aus. Mit einem fachkundigen Ansprechpartner sparst du dir Zeit, Geld und Nerven.