Während einer osteopathischen Behandlung berühren wir den Menschen „nur“ mit den Händen. Dabei Erfühlen wir Verhärtungen, lösen Blockaden und verbessern die allgemeine Mobilität von Geweben. Mit den heutigen modernen Messmethoden, lässt sich die Wirkung von Berührung immer noch nicht 100%ig erfassen. Doch es scheint ein natürlicher Instinkt zu sein, Körpernähe bzw. Berührung aufzusuchen. Eine Umarmung spendet Trost und Geborgenheit, eine Kopfmassage kann Schmerzen lindern und körperlicher Kontakt scheint bei Depressionen positive Wirkungen zu haben. Denken Sie an einen Moment in dem Sie Schmerzen gelitten haben. Sie haben sich den Fuß oder Kopf gestoßen oder hatten Bauchschmerzen. Der natürliche Instinkt ist es, die eigene Hand auf die verletzte bzw. schmerzende Stelle zu legen und schon lindert es die Beschwerde. Eine Theorie besagt, dass unser Instinkt schmerzende Stellen zu berühren eine vergessene Form der Selbstbehandlung aus der Vergangenheit darstellt. Diese Selbstbehandlung wurde gegebenenfalls mit verschiedenen Intensitäten durchgeführt z.B. fester Druck auf einen Schmerzpunkt.

Bonding: Erklärungsversuch der sanften osteopathischen Behandlung

Eine mögliche Erklärung für die Osteopathie und ihre Wirkungsweise, bietet das wissenschaftlich erforschte Phänomen des Bonding. Der Begriff Bonding bezieht sich vor allem auf die frühe Bindung zwischen Eltern und ihren Kindern.

Berührung Früher

Noch in den 1960er Jahren sprach man davon Kindern möglichst früh „abzunabeln“ bzw. abzuhärten, in dem man diese nach der Geburt direkt von der Mutter trennte und in ein separates Kinderzimmer in der Geburtsklinik brachte. Die Mutter konnte ihr Kind „besuchen“ und es füttern. Schreiende Kinder waren an der Tagesordnung, man war der Überzeugung, dieses kräftige die Lunge.

Berührung Heute

Heute weiß man wie wichtig die Bindung und der körperliche Kontakt zwischen Eltern und Kind sind. Im Mutterleib fühlt sich das Kind geschützt und geborgen. Es kann sich selbst berühren und bereits seinen Körper kennenlernen. Die Geburt hingegen ist ein massiver Schock, ein Entreißen aus der Komfortzone. Umso wichtiger ist die Nähe der Eltern direkt nach der Geburt. Berührungen sind so wichtig wie die Luft zum Atmen. Durch körperlichen Kontakt werden Wärme und Druck vermittelt. Dadurch wird der gesamte Körper des Kindes, sowie der Eltern stimuliert und im Gehirn werden wichtige biochemische Prozesse ausgelöst. Emotionen, Liebe und Freude stimulierende Hormone werden ausgeschüttet, der Cortisolspiegel sinkt und damit das allgemeine Stressempfinden. Diese Botenstoffe können sich positiv auf Angst, Schmerz und Krankheit auswirken, in dem sie z.B. die Herzfrequenz herabsetzen und das Gefühl der Entspannung fördern. Berührung ist einer der Grundpfeiler für eine stabile psychische und physische Entwicklung Ihres Kindes.

Analogie zur osteopathischen Behandlung

Eine osteopathische Behandlung profitiert sehr von der Patient – Therapeut – Bindung. Treffen Menschen aufeinander, die sich gegenseitig „riechen“ können, ist es leichter eine Vertrauensbasis aufzubauen und sich einander anzuvertrauen. Eine sanfte Berührung, mit der richtigen Intension, wirkt Stressabbauend und Entspannend. Häufig kann man während einer Behandlung zunehmende Darmtätigkeit bzw. Darmgeräusche feststellen. Eine Erklärung für dieses Phänomen könnte das sogenannte parasympathische Nervensystem bieten. Im Gegensatz zum sympathischen Nervensystem, welches für Flucht und Stressreaktionen steht, bewirkt das parasympathische Nervensystem Ruhe und Gelassenheit sowie eine Anregung der Verdauung. Manche Techniken wirken dermaßen beruhigend, dass Patienten innerhalb weniger Minuten im Land der Träume wandeln.

Es gibt also deutliche Hinweise darauf, dass eine osteopathische Behandlung mehr ist, als eine Ansammlung von Techniken. Die Berührung des Therapeuten, sein Einfühlungsvermögen und die Gabe sich mental auf den Patienten zu fokussieren, bringen ähnliche Prozesse in Gang, wie das Bonding beim Kind. Die meisten Patienten verlassen meine Praxis mit einem guten Gefühl. Meiner Meinung nach, ist das ein guter Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Therapie.