Dauerbelastung und Erschöpfung: Untersuchung und Behandlung in Kassel

Was Dauerbelastung körperlich macht

Dein Körper hat ein Programm für Belastung. Der Muskeltonus steigt, die Atmung wird flacher und wandert nach oben in den Brustkorb, die Aufmerksamkeit schärft sich. Das ist sinnvoll, wenn es Stunden dauert.

Über Monate wird daraus eine Grundeinstellung. Die Schultern stehen etwas höher, der Kiefer ist auch nachts beschäftigt, der Brustkorb bewegt sich beim Atmen weniger als er könnte und die Zwischenrippenmuskulatur und das Zwerchfell arbeiten anders, als sie es in Ruhe täten.

Der Zusammenhang zwischen Atmung und Nacken ist dabei kein Zufall. Die Muskeln, die den Brustkorb beim Einatmen anheben, setzen an der Halswirbelsäule an. Wer über Monate flach und weit oben atmet, lässt diese Muskeln Arbeit übernehmen, die sonst das Zwerchfell erledigt. Bei rund 20.000 Atemzügen am Tag summiert sich das.

Dazu kommt der Schlaf. Wer über längere Zeit schlecht schläft, reagiert empfindlicher auf Reize, die vorher unauffällig waren. Das lässt sich messen. Eine Verspannung, die dich vor einem Jahr nicht gestört hätte, meldet sich jetzt deutlich.

So entsteht eine Lage, in der dein System Spannung für den Normalzustand hält. Und dann passiert etwas, das viele überrascht: Ruhe fühlt sich ungewohnt an. Unproduktiv, fast langweilig. Dein Nervensystem hat sich auf Hochbetrieb eingestellt und es stellt sich auch wieder zurück.

Die beiden Atemübungen aus dem Video, kohärente Atmung und den physiologischen Seufzer, findest du Schritt für Schritt im Beitrag Nackenschmerzen durch Stress

Die meisten Menschen denken bei Gesundheit zuerst an Sport, an Ernährung, an eine gute Körperhaltung. Im Hintergrund läuft aber etwas, das die meisten unterschätzen: dein Nervensystem.

Dein Nervensystem läuft immer. Es reguliert deinen Herzschlag, deine Stressreaktion, deine Erholung. Und es passt sich an das an, was du ihm konsequent zeigst. Täglich. Über Wochen.

Wenn Leistung und Anspannung der Normalzustand sind, kalibriert sich das System darauf neu. Es lernt: Spannung ist normal, Hochbetrieb ist normal.

Und dann passiert etwas Interessantes. Ruhe fühlt sich plötzlich ungewohnt an. Unproduktiv. Langweilig. Weil das Nervensystem verlernt hat, was Ruhe eigentlich bedeutet.

Das System kalibriert sich zum Glück in beide Richtungen. Und genau hier beginnt unsere Arbeit.

Und genau hier liegt der Faktor, der am meisten unterschätzt wird. Nicht nur für Gesundheit, auch für Höchstleistung. Wer nie runterfährt, trainiert seinen Körper, im Ausnahmezustand zu funktionieren. Auf Dauer geht das nur auf Kosten der Gesundheit.

Profisportler haben das längst verstanden. Nach einer intensiven Einheit folgt bei ihnen immer eine gezielte Erholungsphase, das gehört selbstverständlich zum Training dazu. Kognitive, emotionale oder körperliche Höchstleistung verlangt nach adäquater Erholung, dem bewussten Runterfahren aus dem Leistungsmodus.

Gesundheit ist eben eine Balance zwischen Belastung und Entlastung. Beide Seiten brauchen deine Aufmerksamkeit, nicht nur die Leistung.

Entlastung braucht dabei vor allem eins: Raum. Das erlebe ich in der Behandlung ganz direkt. Sobald der Körper spürt, dass er gerade nichts halten oder leisten muss, beginnt er von selbst runterzufahren. Der Darm fängt an zu gurgeln, Müdigkeit setzt ein, der Körper wird schwer. Reine Entlastung, und schon das wirkt regenerativ.

Dein Nervensystem lernt durch das, was du ihm regelmäßig zeigst. Und genau da kannst du ansetzen. Schau dir die Übungen dazu an: kohärente Atmung, wenn du fünf bis zehn Minuten Zeit zum Abschalten hast, oder den physiologischen Seufzer für akute Stressphasen.

Wenn du Fragen hast, schreib mir gerne.

Weshalb Menschen unter Dauerbelastung zu mir kommen

Die Beschreibungen ähneln sich. Ein Nacken, der abends hart ist. Schultern, die beim Arbeiten nach oben wandern. Ein Kiefer, der morgens müde ist. Kopfschmerzen, die gegen Nachmittag kommen. Das Gefühl, nicht tief durchatmen zu können, ohne dass körperlich etwas gefunden wurde. Ein Rücken, der sich nach dem Wochenende nicht erholt hat.

Häufig kommt der Satz dazu: eigentlich funktioniert alles, es fühlt sich nur an wie Arbeit.

Ich gehe dabei davon aus, dass dein Pensum vorerst bleibt, wie es ist und arbeite mit dem Körper, der es tragen muss.

Wie ich untersuche und behandle

Der erste Termin dauert 60 Minuten und beginnt mit dem Gespräch. Wie sehen deine Tage aus, wann hörst du auf, wie schläfst du, was hat sich im letzten Jahr verändert, was hast du schon versucht.

Danach untersuche ich mit den Händen. Ich sehe mir an, wie beweglich dein Brustkorb beim Atmen ist, wie Halswirbelsäule, Schultergürtel und Kiefer zusammenspielen, was die Brustwirbelsäule mitmacht und wie dein Zwerchfell arbeitet. Dazu die Regionen, die du im Alltag am meisten belastest.

Behandelt wird mit den Händen, an Gelenken, Muskulatur und Bindegewebe. Wo eine Region zu empfindlich für Druck ist, arbeite ich mit dem Physiokey.

Was dabei auf der Liege passiert, erlebe ich fast jedes Mal. Sobald dein Körper merkt, dass er eine Stunde lang nichts halten und nichts leisten muss, fängt er von selbst an herunterzufahren. Der Darm gurgelt, Müdigkeit setzt ein, der Körper wird schwer. Willentlich lässt sich das nicht herstellen, es braucht Zeit und die Gelegenheit, dass gerade nichts von dir verlangt wird.

Vieles davon bemerkst du dabei zum ersten Mal. Wer über Monate mit hochgezogenen Schultern arbeitet, hält diesen Zustand irgendwann für den normalen. Unter meiner Hand wird der Unterschied plötzlich deutlich und an der Stelle fällt bei vielen der Groschen: so viel halte ich also den ganzen Tag.

Das ist mehr als eine Randbemerkung. Was du nicht bemerkst, kannst du auch nicht ändern. Deshalb zeige ich dir im Termin, woran du deine eigene Anspannung erkennst, am Kiefer, an den Schultern, an der Atmung. Ziel ist, dass du früher eingreifen kannst als bisher, statt erst abends zu merken, dass der Nacken hart ist.

Am Ende erkläre ich dir, was ich gefunden habe und du bekommst zwei oder drei Dinge mit, die in einen vollen Tag passen.

Ziel dabei ist, Spannung abzuarbeiten. Muskelspannung wird vom Nervensystem eingestellt und Bewegung ist der direkteste Weg, der dir im Alltag dafür zur Verfügung steht. Deshalb sind die Übungen gezielt ausgesucht und auf das abgestimmt, was ich bei dir gefunden habe.

Nach dem ersten Termin weißt du, was ich sehe und was ich für machbar halte.

Wann etwas anderes dran ist

Erschöpfung hat viele mögliche Gründe. Einige davon gehören zuerst ärztlich abgeklärt. Dazu zählen Schilddrüse, Blutwerte, Blutdruck und Schlafstörungen mit Atemaussetzern.

Wenn deine Erschöpfung von anhaltend gedrückter Stimmung begleitet wird, von Antriebsverlust, von Angst oder davon, dass dir nichts mehr Freude macht, dann ist das nichts, was sich mit den Händen behandeln lässt. Sprich in diesem Fall mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt oder mit einem Psychotherapeuten. Das ist der schnellere Weg, und er ist der richtige.

Beides schließt sich nicht aus. Viele Menschen kommen zu mir, während sie an anderer Stelle betreut werden.

Eine Person, eine Stunde, pünktlich

Du buchst eine Stunde bei einer Person und diese Person behandelt dich auch beim nächsten Mal. Termine beginnen pünktlich, weil sie so getaktet sind. Es gibt keinen Empfang, an dem du warten musst und keine wechselnden Behandler, denen du deine Vorgeschichte noch einmal erzählst.

Was du mitbekommst, sind wenige konkrete Dinge, keine Programme, für die du eine freie Stunde am Tag bräuchtest.

Kosten

Viele gesetzliche Krankenkassen bezuschussen Osteopathie, private Versicherungen und Zusatzversicherungen erstatten nach Tarif. Alles zu Erstattung und Abrechnung steht unter Kosten

  • Erstbehandlung (ca. 60 Min.): 120 €
  • Folgebehandlung (ca. 60 Min.): 100 €
  • Studenten (ca. 60 Min.): 90 €
  • Privatpatienten: Abrechnung nach GebüH

Häufige Fragen

Ja. Ein großer Teil der Menschen, die deswegen kommen, kann keine klare Schmerzstelle benennen. Was sie beschreiben, ist eine Region, die dauerhaft nicht loslässt. Das lässt sich untersuchen.

Das kann ich dir nicht versprechen, und wer es tut, sollte gefragt werden, woher er das weiß. Was ich dir zusagen kann: Nach zwei bis drei Terminen schauen wir gemeinsam, ob sich etwas bewegt hat. Wenn nicht, sage ich dir das.

Vorschreiben werde ich dir nichts. Im weiteren Sinne ist allerdings fast alles, was du von mir mitbekommst, eine Entspannungsübung, bei jeder geht es darum, Spannung abzuarbeiten. Es sind zwei oder drei Bewegungen und Handgriffe von etwa einer Minute, die am Schreibtisch, im Auto oder zwischen zwei Terminen funktionieren. Wenn dir darüber hinaus Atemübungen liegen, zeige ich dir welche.

Dann arbeiten wir im Termin trotzdem weiter. Sag es mir aber, statt es auszusitzen. Dann suchen wir etwas Kleineres, das in deinen Tag passt, und du bekommst nicht dreimal dieselbe Übung mit.

Ja, dazu steht mehr unter Vorsorge

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