Schmerzen und Verspannungen: Untersuchung und Behandlung in Kassel

Warum Schmerz selten dort sitzt, wo er wehtut

Dein Körper hat eine Geschichte. Jede Verletzung, jede Phase mit zu wenig Schlaf, jedes Jahr am Schreibtisch und jede einseitige Belastung hat Spuren hinterlassen. Dein Körper hat sich darauf eingestellt: Er hat Spannung aufgebaut, manche Muskelgruppen kräftiger ausgebildet als andere und Bewegungen umgeleitet, damit du weitermachen konntest. Das funktioniert oft über viele Jahre. Irgendwann meldet sich eine Stelle und das muss nicht die Stelle sein, an der die Geschichte begonnen hat.

Am deutlichsten merkst du das an einer Blase am Fuß. Du läufst zwei Tage lang anders, schonst die Stelle und am dritten Tag zwickt die Hüfte. An der Hüfte ist nichts passiert, sie hat übernommen. Dasselbe macht dein Körper im Großen, nur langsamer und ohne dass du es bemerkst.

Schmerz fühlt sich an wie ein direktes Signal: Hier ist etwas kaputt. Fühlt sich so an. Ist aber nicht ganz richtig.

Schmerz ist keine direkte Messung von Schaden. Er ist die Einschätzung deines Nervensystems, wie gefährlich eine Situation gerade ist. Zwei unterschiedliche Vorgänge, die sich wie einer anfühlen: die Empfindung selbst und die Bewertung dieser Empfindung.

Das erklärt, warum derselbe Reiz an unterschiedlichen Tagen völlig unterschiedlich wehtun kann. Gestresst, übermüdet, angespannt: Derselbe Nacken fühlt sich schlimmer an. Entspannt, im Urlaub, abgelenkt: Derselbe Nacken meldet sich kaum.

Das liegt nicht daran, dass sich am Gewebe etwas verändert hat. Es liegt daran, dass dein Nervensystem die Lage unterschiedlich einschätzt.

Wie Schmerz in deinem Nervensystem entsteht

Schmerz entsteht in deinem Nervensystem und dabei laufen zwei Vorgänge ab, die sich wie einer anfühlen: die Empfindung selbst und die Bewertung dieser Empfindung. Dein Gehirn verrechnet die Signale aus Muskeln, Gelenken und Gewebe mit allem, was es über deine Lage weiß, und entscheidet daraus, ob und wie stark du Schmerz spürst.

Stell dir einen Rauchmelder vor. Ein gut eingestellter Melder geht bei Feuer los. Ein zu empfindlicher geht schon beim angebrannten Toast los. Nach einer Verletzung oder in einer langen Belastungsphase kann sich dein Nervensystem genauso empfindlich einstellen. Fachleute nennen das Sensibilisierung. Hält sie über Monate an, sprechen sie vom Schmerzgedächtnis. Bei chronischen Beschwerden spielt es fast immer eine Rolle.

Was gelernt ist, lässt sich ändern

Wie empfindlich dein Nervensystem eingestellt ist, steht dabei nicht ein für alle Mal fest. Diese Einstellung ist gelernt und Gelerntes lässt sich ändern. Ein Kind, das laufen lernt, fällt hundertmal hin, und mit jeder Wiederholung wird die Verbindung zwischen den beteiligten Nervenzellen stabiler, bis das Gehen von selbst geht. Beim Schmerz arbeitet dein Nervensystem nach demselben Prinzip und es arbeitet in beide Richtungen.

Zwei bekannte Phänomene zeigen, wie viel dabei verrechnet wird. Ein entzündeter Zahn kann ins Ohr ziehen, obwohl das Ohr gesund ist. Und Menschen nach einer Amputation spüren manchmal jahrelang Schmerzen in einem Fuß, den es nicht mehr gibt.

Was ein MRT-Befund aussagt

Die Bilder aus dem MRT sagen weniger, als die meisten denken. In einer Auswertung von 33 Studien mit über 3.000 Menschen, die keine Rückenschmerzen hatten, zeigte sich bei 29 Prozent der 20-Jährigen eine Bandscheibenvorwölbung, bei den 80-Jährigen bei 43 Prozent (Brinjikji et al., 2015). Diese Menschen waren beschwerdefrei. Das Bild zeigt den Zustand des Gewebes, wie stark es wehtut, entscheidet dein Nervensystem mit.

Zwei Menschen mit demselben Befund können also völlig unterschiedlich empfinden. Und deine Schmerzen können denen eines anderen ähneln, während bei dir ganz andere Dinge zusammenkommen.

Was das für meine Arbeit heißt

Dein Körper ist ein System von Kopf bis Fuß, dessen Teile ständig miteinander kommunizieren. Darum untersuche ich auch Regionen, die gar nicht wehtun.

Das gilt auch für die Behandlung. Manche Bereiche geben schnell nach, andere brauchen Zeit. Es kann deshalb sein, dass ich über mehrere Termine an einer Stelle arbeite, die dir keine Beschwerden macht, die aber mitbestimmt, wie dein Körper belastet wird. Ich sage dir jedes Mal, warum ich dort bin.

Wie ich untersuche

Der erste Termin dauert 60 Minuten und hat vier Teile.

1

Zuhören

Du erzählst, wann es angefangen hat, was es besser und was es schlechter macht, wie dein Tag aussieht, wie du schläfst, was du arbeitest, was du im Sport machst. Ich frage nach alten Verletzungen, Stürzen und Operationen, auch nach solchen, die zwanzig Jahre zurückliegen. Sie gehören zur Geschichte deines Körpers. Für dieses Gespräch nehme ich mir so viel Zeit, wie es braucht.

2

Zusehen

Ich schaue, wie du stehst, gehst, dich bückst und drehst. Wo läuft es rund, wo stockt es, wo weicht dein Körper aus. Vieles davon fällt im Alltag niemandem auf, im Seitenvergleich wird es sichtbar.

3

Tasten

Mit den Händen prüfe ich Gelenke, Muskeln, Bindegewebe und Nerven auf Beweglichkeit, Spannung und Empfindlichkeit. Ich arbeite mich von Kopf bis Fuß durch, weil eine schmerzende Stelle mit weit entfernten Regionen zusammenhängen kann.

4

Erklären und behandeln

Ich sage dir in normalen Worten, was ich gefunden habe. Dann behandle ich mit den Händen, mit Techniken an Gelenken, Muskeln und Gewebe. Zum Schluss zeige ich dir zwei oder drei Übungen, die in deinen Alltag passen. Wer versteht, wie der eigene Schmerz funktioniert, trifft im Alltag bessere Entscheidungen. Deshalb ist das Erklären für mich kein Beiwerk.

Vier Regionen bringen die meisten Menschen zu mir. Jeder Körper reagiert anders, deshalb beschreibe ich hier, wie ich vorgehe.

Rücken

Es passiert selten beim Klavierheben. Meistens beim Socken anziehen. Der Rücken hat über Monate Spannung aufgebaut, und irgendeine harmlose Bewegung bringt das Fass zum Überlaufen.

Ich untersuche Lendenwirbelsäule, Brustwirbelsäule, Becken und Iliosakralgelenke. Hüften, Beinachse und Fußstellung sehe ich mir mit an, weil sie mitbestimmen, wie dein Rücken belastet wird. Wichtig ist mir, wann der Schmerz kommt: morgens beim Aufstehen, nach zwei Stunden Sitzen, abends nach der Schicht, nachts im Liegen. Diese Muster sagen mir viel darüber, was beteiligt sein kann.

Der Rücken ist das Feld, in dem osteopathische Behandlung am besten untersucht ist. Eine Übersichtsarbeit aus 15 Studien mit 1.502 Teilnehmenden (Franke et al., 2014) fand bei unspezifischen Rückenschmerzen Effekte auf Schmerz und Alltagsfunktion, die die Autoren als klinisch relevant einstufen, und hält zugleich fest, dass größere Studien nötig sind. Ich lese solche Arbeiten und schreibe selbst für osteopathische Fachzeitschriften. Deshalb bekommst du von mir die Studienlage so, wie sie ist, und entscheidest selbst.

Nacken und Kopf

Dein Kopf wiegt etwa fünf Kilo. Halte eine Fünf-Kilo-Hantel dicht am Körper, das schaffst du minutenlang. Halte dieselbe Hantel mit ausgestrecktem Arm, und nach zwanzig Sekunden zittert alles. Das Gewicht ist gleich geblieben, der Hebel hat sich geändert. Dein Nacken arbeitet nach demselben Prinzip, je weiter dein Kopf nach vorn wandert, über Bildschirm, Lenkrad oder Handy.

Haltung allein erklärt selten den ganzen Schmerz. Deshalb untersuche ich Halswirbelsäule, obere Brustwirbelsäule, die ersten Rippen, den Schultergürtel und den Kiefer. Der Kiefer gehört dazu, weil nächtliches Zähneknirschen die Nackenmuskulatur mitbeschäftigt. Bei Kopfschmerzen frage ich nach Uhrzeit, Auslösern und danach, was in den Stunden davor war.

Knie

Beim Gehen arbeitet eine Kette: Fuß, Sprunggelenk, Knie, Hüfte, Becken. Wenn ein Glied dieser Kette an Beweglichkeit verliert, verteilt sich die Last neu, und ein anderes übernimmt mehr. Das Knie liegt in der Mitte und bekommt von beiden Seiten etwas ab.

Deshalb sehe ich mir bei Knieschmerzen dein Gangbild an, dazu Beinachse, Hüfte und Fuß, die Beweglichkeit im Knie selbst und das, was du im Alltag von ihm verlangst: Treppen, Radfahren, Laufen, Hocken, Knien bei der Arbeit. Die Übungen, die du mitbekommst, zielen auf die ganze Kette.

Hand

Nachts kribbeln die Finger, morgens ist die Hand taub, der Deckel vom Marmeladenglas wird zur Herausforderung. Viele Menschen kommen mit der Frage nach einem Karpaltunnelsyndrom. Die Diagnose stellt deine Ärztin oder dein Arzt, oft mit einer Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.

Die Nerven für deine Hand starten im Nacken und laufen durch Schulter, Ellenbogen und Handgelenk bis in die Finger. Auf diesem Weg gibt es mehrere Engstellen. Ich untersuche deshalb die ganze Strecke und schaue mir an, wie du deine Hände einsetzt, an Tastatur und Maus, mit Werkzeug, am Instrument, am Lenkrad. Wenn schon eine ärztliche Diagnose vorliegt, bring sie mit. Sie sagt mir, wo ich vorsichtig sein muss.

Wann du zuerst zum Arzt solltest

Ich bin Heilpraktiker, meine Untersuchung ersetzt keine ärztliche Diagnose. Manche Beschwerden gehören zuerst in ärztliche Hände. Geh zur Ärztin oder zum Arzt, bei akuten Zeichen in die Notaufnahme oder ruf die 112, wenn eines davon auf dich zutrifft:

  • Schmerzen nach einem Unfall, Sturz oder Schlag
  • Lähmungen, zunehmende Taubheit oder Kraftverlust
  • Probleme, Blase oder Darm zu kontrollieren, oder Taubheit im Intimbereich
  • Schmerzen zusammen mit Fieber
  • Schmerzen in der Brust mit Druckgefühl oder Atemnot
  • plötzlicher, heftigster Kopfschmerz, wie du ihn noch nie hattest
  • starke Schmerzen, die sich in keiner Haltung bessern

Das Gleiche gilt, wenn Beschwerden über Wochen nicht nachlassen oder schlimmer werden. Bildgebung und Laborwerte liefern Informationen, die ich mit den Händen nicht erheben kann. Bring vorhandene Befunde gern mit und wenn du möchtest, stimme ich mich mit deinen behandelnden Ärztinnen und Ärzten ab.

Kosten

Viele gesetzliche Krankenkassen bezuschussen Osteopathie, private Versicherungen und Zusatzversicherungen erstatten nach Tarif. Alles zu Erstattung und Abrechnung steht unter Kosten

  • Erstbehandlung (ca. 60 Min.): 120 €
  • Folgebehandlung (ca. 60 Min.): 100 €
  • Studenten (ca. 60 Min.): 90 €
  • Privatpatienten: Abrechnung nach GebüH

Häufige Fragen

Das hängt davon ab, wie lange die Beschwerden bestehen und was in deinem Alltag dazu beiträgt. Nach dem ersten Termin sage ich dir, womit ich rechne. Danach entscheiden wir gemeinsam, wie es weitergeht.

Ich arbeite mit Druck und Bewegung in einem Bereich, den du gut aushältst, und du sagst mir jederzeit, wenn es zu viel wird. Am Tag danach spüren manche Menschen etwas, das sich wie leichter Muskelkater anfühlt.

Bring ihn mit. Er sagt mir, was im Gewebe zu sehen ist und wo ich vorsichtig sein muss. Wie stark es wehtut, steht dort nicht drin, das klären wir im Termin.

Bleib in Bewegung, soweit es geht, auch in kleinen Portionen. Vermeide es, tagelang komplett zu schonen. Was dir guttut, darfst du weiter machen. Bei den oben genannten Warnzeichen geh bitte zuerst zur Ärztin oder zum Arzt.

Zieh an, worin du dich gut bewegen kannst. Ich arbeite meistens durch dünne Kleidung, für einzelne Tests brauche ich freie Sicht auf den Rücken. Wenn dir etwas unangenehm ist, sag es, dann finden wir einen anderen Weg.

Termin vereinbaren

Der erste Termin beginnt damit, dass du erzählst, wie es angefangen hat. Wenn du vorher wissen willst, ob dein Anliegen zu meiner Praxis passt, ruf an oder schreib mir, dann klären wir das in zwei Minuten.