Eine der häufigsten Fragen, die meine Patienten mir stellen ist „Worin unterscheidet sich die Osteopathie von der Physiotherapie?“. Diese Frage lässt sich am besten durch einen Steckbrief der jeweiligen Therapiemethode erläutern. Für diejenigen, die es eilig haben:

Der größte Unterschied besteht im philosophischen Ansatz, der den gesamten Organismus als funktionelle Einheit sieht. Demnach vermag jede gestörte Struktur, über kurz oder lang eine folgenschwere Kette von negativen, beziehungsweise krankmachenden Effekten hervorzurufen.

Osteopathie

Die Osteopathie wird häufig als manuelle Therapie beschrieben, welche sich in ein parietales, viszerales und kraniales System aufgliedert. Der Begründer der Osteopathie beschreibt den menschlichen Körper als eine Einheit, die aus Körper, Geist und Seele besteht. Weiterhin bilden Form und Funktion von einzelnen Körpergeweben, wie Knochen, Faszien und Muskeln, eine untrennbare, synergistische Einheit. Aufgrund dieser funktionellen Verflechtungen erlaubt die Osteopathie eine differenzierte und ganzheitliche Blickweise auf Gesundheit und Krankheit.
Der Osteopath sucht nach funktionellen Störungen, wie Wirbelblockaden und Muskulären Verspannungen, um diese zu beseitigen. Auf diese Weise kann der Weg zur Selbstheilung des Körpers geebnet werden.

Physiotherapie

Der Deutsche Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V. beschreibt die Physiotherapie als Oberbegriff für passive und aktive Therapieformen. Sie umfasst neben der manuellen Therapie auch Bewegungstherapie, Hydrotherapie, Elektrotherapie und Thermotherapie. Die Standardtherapie bezieht sich auf eine regionale Wiederherstellung der Körperfunktion nach Verletzungen. Durch den Aspekt der Bewegungstherapie, wird sie um eine systemische, rehabilitative und präventive Komponente erweitert

Chiropraktik

Die Chiropraktik ist eine populäre und kosteneffektive manuale Therapieform, welche die Behandlung, beziehungsweise Vermeidung von neuromuskulären Dysfunktionen adressiert. Osteopathie und Chiropraktik teilen sich eine holistische Sichtweise auf Krankheit und Gesundheit. In der Chiropraktik gilt, dass eine Dysfunktion an einer Stelle des Körpers, das neuromuskuläre System belastet, weshalb diese beseitigt werden sollte. Im Mittelpunkt der Therapie, steht die besondere Verbindung zwischen der Wirbelsäule und dem muskuloskeletalen System.

Fazit

Genau genommen existieren mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen Osteopathie, Physiotherapie und Chiropraktik. Besonders wenn man das Repertoire an manualen Techniken betrachtet, findet man zahlreiche Überschneidungen. Ein guter Therapeut, kann seine Therapie häufig durch gezielte Übungen oder anderweitige Empfehlungen unterstützen. Somit ist die Bewegungstherapie ebenfalls nicht nur der Physiotherapie vorbehalten. Ebenso gibt es zahlreiche Physiotherapeuten, die die ganzheitliche Betrachtungsweise der Osteopathie auf Erkrankungen des Körpers teilen.

Quellen:

Dalichau, S. (2018). Der Dauerpatient – Wie viel Phyiotherapie ist erforderlich? Trauma und Berufskrankheit 20(1), 279 – 284.

Dvorak, J., Gauchat, M.H., Graf-Baumann, T., Mühlemann, D., Psczolla, M. (2001). Manuelle Medizin, Chiropraktik, Osteopathie. Manuelle Medizin und Osteopathische Medizin 39(2), 66 – 71.

Salehi, A., Hashemi, N., Imanieh, M.H., Saber, M. (2015). Chiropractic: Is it Efficient in Treatment of Diseases? Review of Systematic Reviews. International Journal of Community based Nursing and Midwifery 3(4), 244 – 254.

Tempelhof, S., et Weingart, J.R. (2001). Osteopathische Medizin. Erfahrungsheilkunde, 50 (3), 119-126

WHO (2005). WHO guidelines on basic training and safety in chiropractic. WHO Library Cataloguing-in-Publication Data. URL:      https://www.who.int/medicines/areas/traditional/Chiro-Guidelines.pdf